2 Juni 2021

Falschen Freunden auf den Leim gegangen

Nein, es geht nicht um falsche Freunde in Menschengestalt, sondern um fremdzüngige Worte, denen man wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem deutschen Wort eine ganz andere als ihre tatsächliche Bedeutung zuweist. Darum auch die Bezeichnung falsche Freunde. Alles klar soweit? Und nun kommt noch eine Prise Denglisch ins Spiel … Meinen erste Begegnung mit einem “falschen Freund” hatte ich im Englischunterricht. Das Verb become stellte sich mir vor. Es ähnelte dem deutschen bekommen und hätte somit ein wahrer Freund sein können, wäre seine Bedeutung im Englischen nicht eine ganz andere. Dort steht become für werden; nicht zeitlich, sondern im Sinne etwas werden. Das methodisch sehr gute DDR-Bildungsfernsehen widmete den falschen Freunden in der Reihe “English for you” (einige Folgen finden sich übrigens auf youtube) eine Filmsequenz. Ein Gast wartet im Restaurant auf das bestellte Steak, irgendwann spricht er den Kellner an und fragt “When will I become a steak?”. Der stutzt kurz und oxfordet sehr distinguiert “Never, I hope, Sir. You’ll get your steak in a minute.”   Das prägt sich ein und dieser falsche Freund war gebannt. Andere lauerten schon, so dass es nie langweilig wurde.

Ein neues Kapitel im dicken Buch der falschen Freunde wurde mit der deutschen Manie des halbgebildeten Nachplapperns echter englischer und des Kreierens vermeintlicher englischer Begriffe aufgeschlagen. Deren bekanntester Vertreter dürfte das Handy sein, welches nur in good old Germany so heißt. Ein wenig in Vergessenheit geraten ist über die Jahre der “Twen”. Diese irgendwie logisch erscheinende Fortsetzung des “Teens” ist gleichfalls eine deutsche Spezialität, die im Rest der Welt auf Unverständnis stößt.

Neu sind so herrliche Kreationen wie “Public Viewing” und “Bodybag”, die in Deutschland zwar als “gemeinsames auf einen Bildschirm Glotzen” und “am Körper getragene Tasche” verstanden werden, im englischsprachigen Rest der Welt allerdings “offizielle Leichenschau” und “Leichensack” bedeuten. Schluck.

Dank Corona kam eine weitere Denglischkreation zur Blüte. Das “Home Office”. Es beschreibt die Verlageruhttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/58/085_Josepinism_Style_Furniture.jpgng beruflicher Tätigkeit vom betrieblichen, arbeitsmedizinisch optimierten Büro (“Office”) an den heimischen Küchentisch oder eine andere, nicht minder unergonomische Örtlichkeit in den eigenen vier Wänden (“Home”). Im Zuge der ach so schlömmen pandemische Lage wechselten deutsche Arbeitnehmer en masse in diese Verwahrungsform; unterstützt dadurch, dass rötliche gewandete Politiker die Arbeitgeber sogar dazu verdonnerte, wo immer es möglich war oder zumindest schien, “Home Office” anzubieten.

Und nun zurück ins Englische. Diesen Artikel im “Guardian”, in dem es um die Zahl bei an der Einreise nach Engeland abgewiesenen EU-Bürger geht, musste ich zweimal lesen. Schuld war dieser einleitende Satz: “The number of EU citizens being prevented from entering the UK has soared over the past three months despite the reduction in travel because of Covid, according to Home Office figures.” Beim ersten, noch flüchtigen Lesen erschloss sich mir nicht, was die gestiegene Zahl der Zurückweisungen mit dem heimischen Büro zu tun haben könnte. Bis es “click” machte: “Home Office” ist nicht nur Denglisch, sondern in dieser Form ein falscher Freund, denn in mery old England steht das Wort fürs Innenministerium. Doppelschluck. In die Falle gegangen und wieder etwas dazugelernt. -ad


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Verfasst 2. Juni 2021 von Ultra_ad in category "Allgemeines", "Berufliches", "Gelesenes

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